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Ich Destillations Maschine

Magischer Metabolismus Jochen Hünnebeck Formal zeigt sich in den Zeichnungen und Gemälden Martin Schepers eine technische Grundstruktur. Ausgangspunkt sind technische Zeichnungen und Fließdiagramme, die auf jene komplexen Großanlagen verweisen, die von ihm künstlerisch beforscht werden. Die Serie ICH DESTILLATIONS MASCHINE geht zurück auf die umfangreiche Auseinandersetzung mit Erdölraffinerien. Hintergrund des künstlerischen Konzepts bei Martin Schepers ist die Frage danach, wie wir als Menschen Technik begreifen und wahrnehmen. Der Künstler ist der Meinung, dass wir die eigentliche Bedeutung von Technik nicht richtig oder nur unvollständig erkennen. Martin Schepers provoziert eine Subversion unserer technischen Ästhetik. In seinen Zeichnungen und Gemälden greift er auf technische Pläne und Fließdiagramme zurück. Da jeder konkrete Bezug fehlt, bekommen die abstrakten Andeutungen von Rohrleitungen, Öfen und Behälter eine zeichenhafte Bedeutung. Schepers definiert also keine neue Sichtweise, sondern demontiert nur die kulturell gewachsene Bedeutungsfassade, um mit Hilfe der Grundstruktur weitere Bedeutungsebenen offenzulegen. Ein weiterer Aspekt in diesem Konzept ist die Herausstellung von Analogien zwischen Mensch und Maschine. So sind die chemischen Abläufe in Raffinerien, die aus einer zähen Ursubstanz feinste Destillate herausarbeiten den geistigen Prozessen ähnlich, die in uns stattfinden. So ist auch der schöpferische Vorgang des Menschen eine mentale Form des Destillierens und Raffinierens. Die Werkreihe ICH DESTILLATIONS MASCHINE besteht aus Zeichnungen und Gemälden. Ihre formale Disposition verweist auf inhaltliche Divergenzen. Die Zeichnungen sind ein Herausarbeiten der symbolischen Wirkung einzelner Elemente, die Schepers aus Vorlagen technischer Pläne überträgt. Die Gemälde variieren in ihren Formaten. Eine Komposition aus grellen Gelbtönen und amorphen Lachen aus Graphit-Alkohol-Gemischen ergeben eine energetische Melange, die kompositorisch gedrosselt wird durch graphische Elemente aus Winkeln und technischen Strukturen, die jedoch gänzlich ihre technisch-illustrative Bedeutung verloren haben und zu autonomen poetischen Zeichen wurden. Martin Schepers kritisiert nicht die Technik selbst, sondern den unreflektierten Umgang mit ihr. Er konstruiert eine Wahrnehmung, in der wir selbst mehr Referenz als Staffage sind. Dies gibt der Betrachtung der Energiewandlungsmaschinen eine metaphysische und magische Aura, die jedoch den Blick nicht verklären, sondern erweitern soll.